Blog Detail

Phasen der Geburt

Evi Januar 5, 2019 0 comments 0

Phasen der Geburt
Die meisten Kinder kommen im Zeitraum drei Wochen vor dem errechneten Termin bis etwa zwei Wochen nach dem errechneten Termin auf die Welt. In den meisten Fällen beginnt die Geburt in diesem Zeitraum mit Wehentätigkeit, in manchen Fällen auch mit einem Blasensprung. Letztendlich ist jede Geburt anders und  sowohl die Länge als auch Intensität der Phasen kann von Frau zu Frau deutlich variieren. Zudem gehen die Phasen fließen ineinander über. Die hier beschriebenen Phasen dienen vorrangig der Übersichtlichkeit. Grundsätzlich passiert Geburt im Fluss und die Abläufe im Körper der Frau als auch die Bewegungen des Babys sind nicht klar voneinander zu trennen. 

  1. Eröffnungsphase
    (Latenzphase, Aktive Phase, Übergangsphase)
  2. Austreibungsphase/ Pressphase
  3. Nachgeburtsphase/ Plazentaphase

Eröffnungsphase – Aller Anfang ist leicht
In der Eröffnungsphase geht es, wie der Name sagt, vorrangig um die Eröffnung des Muttermundes.
Im unteren Bereich der Gebärmutter muss sich zum einen der Gebärmutterhals während der Geburt komplett verkürzen. Hebammen sprechen hier gerne vom „Verstreichen des Gebärmutterhalses“.
Dann braucht es noch die Eröffnung des Muttermundes. Von einer vollständigen Eröffnung spricht man bei etwa 10 cm, dann ist der Gebärmutterhals verstrichen, der Muttermund vollständig eröffnet und es bietet sich genug Platz für das Baby. 

Ganz am Anfang der Geburt braucht der Körper der Frau oft eine Weile um den richtigen Rhythmus zu finden. Wenn der Körper mit Wehen anfängt, bringen diese oft erstmal noch keinen messbaren Befund am Muttermund.
Man spricht hier von der sogenannten Latenzphase. Diese zählt zu der Eröffnungsphase und leitet die Geburt quasi ein.
Gerade bei der ersten Geburt kann es am Anfang durchaus eine ganz Weile dauern, bis der Körper der Frau sich wirklich auf Geburt einstellt oder einlässt und effektive, muttermundswirksame Wehen produziert. 

Die Wehentätigkeit ist zu Beginn der Eröffnungsphase oft noch unregelmäßig und leicht. Die Abstände variieren und die Intensität wird von den meisten Frauen eher als leicht wahrgenommen.
Der führende Teil vom Kind liegt hier in der Regel noch weit oben im Beckeneingang und der Muttermundsbefund ist auch noch ganz am Anfang.
Die Wehenabstände können hier bei bis zu 20/30 min liegen, können aber auch mal 5 Minuten Abstände sein, sind aber in der Regel noch recht lang. Manche Frauen nehmen diese Wehen kaum wahr, andere als Ziehen im Rücken oder einfach als leichte Wehentätigkeit.

In dieser ersten Phase kann der Körper die Geburt auch wieder ausbremsen. Vielleicht hast du zu Hause schon eine ganze Weile Wehen, ihr fahrt ins Krankenhaus und kaum dort angekommen flaut alles ob und man wird wieder nach Hause geschickt. Das passiert häufiger, als die meisten Frauen vermuten und ist auch eine ganz normal und sinnvolle Reaktion des Körpers. Der Ortswechsel, die Autofahrt, neue Umgebung und neue Personen, das sind alles Faktoren, auf die der Körper der Frau sich erstmal wieder einlassen muss.
Oft hilft es schon, in der neuen Umgebung zusammen mit der Begleitperson nochmal einen Spaziergang machen. So kann sich dein Körper in Ruhe auf die neue Situation einstellen, entspannen und dann kommen oft auch die Wehen wieder.

Eröffnung – Aktive Phase
Wenn der Muttermund so zwischen 2 und 4 cm ist gehen die Frauen in die aktive Phase über. Dies gehört immer noch zur Eröffnungsphase. Die Wehentätigkeit verstärkt sich jetzt. Zum einen die Pausen zwischen den Wehen kürzer, die Wehen selbst werden länger und intensiver. Der Körper wird hier, im Vergleich zur Latzensphase, auch immer mehr einen Rhythmus schaffen. Man spricht von einer regelmäßigen Wehentätigkeit. 

Hier werden die meisten Frauen schon deutlich mehr in die Aufmerksamkeit in ihre Geburt gebracht. Die Frauen veratmen die Wehen zunehmend konzentrierter, Gespräche und Entscheidungen treffen wird deutlich schwerer und sollte auch wirklich auf ein Minimum reduziert werden. Frau braucht hier in der Regel guten Zuspruch, eventuell jemanden, der ihr mit der Atmung hilft, leichte Bewegung wie Beckenkreisen, auf einem Ball sitzen oder was deinem Körper halt gerade gut tut ist auf jeden Fall förderlich. Denn hier beginnt jetzt auch nach und nach das Kind im Becken tiefer zu rutschen und dafür ist Bewegung immer hilfreich. Das Kind drückt durch das tiefer treten im Becken zusätzlich von innen gegen den Muttermund. Das dehnt zum einen leicht mit, zum anderen fördert das aber auch wieder die zunehmende Wehentätigkeit.

Was in dieser Phase auch immer wieder mal passiert, ist, das Frauen sich übergeben müssen. Nicht schlimm wie bei einer Magen-Darm-Grippe aber der Körper weiß, dass er die Energie für die Geburt braucht und Verdauung wird quasi ausgesetzt. Also wenn ihr im Krankenhaus im Kreißsaal seid, immer direkt mal schauen wo die nächste Toilette oder die Nierenschalen sind.

Kuscheln erlaubt
Körperkontakt durch die Begleitperson einfach Hand auflegen oder Massage, sanftes Ausstreichen – all das schüttet zusätzlich Oxytocin aus. Oxytocin ist DAS Hormon, was ihr für die Wehentätigkeit braucht.
Manche Frauen mögen diese körperliche Nähe sehr gerne, andere möchten einfach für sich sein – schau hier individuell, was DEIN Wohlbefinden fördert.
Wichtig ist einfach rundum ein Gefühl von Sicherheit und Umsorgt sein ohne so aus dieser konzentrierten Blase herausgeholt zu werden. 

Einatmen – Ausatmen – Wiederholen
Gerade eine tiefe, gleichmäßige Atmung ist hier unglaublich wichtig. Das versorgt nicht nur Mama und Kind gut mit Sauerstoff und ermöglicht damit das beide fit bleiben und die Gebärmutter gut atmen kann, sondern es wirkt sich auch noch ganz anders positiv aus. Wenn wir tief atmen reduziert das Stress und Angst.
Durch eine tiefe, ruhige Atmung kann Frau sich also immer wieder mental beruhigen und gleichzeitig auch Entspannung in ihren Körper bringen. Und das ist in der Eröffnungsphase natürlich essentiell wichtig. Loszulassen und zu entspannen.

Übergangsphase – hier kann es knackig werden

Der letzte Teil in der Eröffnungsphase stellt für manche Frauen eine Herausforderung dar. Hier ist der Muttermund bereits auf 8cm bis vollständig eröffnet; du hast also schon wirklich viel geschafft.
Diese Phase ist nicht übermäßig lang, aber hier erleben Frauen oft ein Wechselbad der Gefühle und wirklich heftige Emotionen.
Die Wehentätigkeit ist in dieser Phase anstrengend, intensiv und mit kurzen Pausen. Dazu kommt die körperliche Anstrengung und Ermüdung, gefühlt kommen hier viele Frauen an ihre Grenzen und zweifeln, ob sie das überhaupt schaffen können. Zweifel machen Angst oder Wut.
Klassische Gefühlsausbrüche in dieser Phase sind:„Ich geh jetzt nach Hause, soll doch jemand anders das Kind bekommen.“ oder: „Das bleibt auf jeden Fall ein Einzelkind“.
Aber auch die Verzweiflung kann sich zeigen mit: „Ich schaff das nicht. Ich kann nicht mehr. Ich will jetzt sofort einen Kaiserschnitt“.
Es gilt weiterhin: Loslassen!
Nicht nur das Kind wird geboren sondern auch die Mama und da dürfen auch mal so kurz vor der Ziellinie einige Emotionen hochkommen.
Und es ist auch einfach ein Ausdruck der Erschöpfung nach langer körperlicher Arbeit. Annehmen, durchatmen und wissen: Euer Kind ist fast da!

Austreibungsphase – auf der Zielgeraden
Der Muttermund ist vollständig geöffnet, das Kind ist mittlerweile noch deutlich tiefer durch das Becken gewandert und hat sich da in Position gebracht. Der führende Teil vom Kind, also in der Regel der Kopf, drückt jetzt weit unten im Becken und löst bei der Frau den Pressdrang aus.
Es wechselt also in die sogenannten Presswehen, bei denen Frau intuitiv das Gefühl hat, irgendwie mitdrücken zu müssen. Und irgendwie ist oft das passende Wort, denn Frau braucht manchmal eine paar Wehen, bis sie ein Gefühl dafür entwickelt hat, wie sie hier am effektivsten ihren Körper unterstützen kann. Das Power-Pressen was man aus dem Fernsehen kennt muss es hier auch wirklich nicht sein. Hauptarbeit der Geburt macht auch hier weiterhin die Gebärmutter. Als Frau solltest du dich weiterhin darauf konzentrieren gut zu atmen um ausreichend Sauerstoff im Körper zu haben.
Uns so als kleiner Randhinweis: Ja, in der Regel fühlt sich das erstmal an als müsstest du groß und dringend auf Toilette gehen. Das du hier nicht aufs Klo musst sondern einfach dein Baby drückt können viele Frauen erstmal nicht glauben. Es spricht übrigens auch gar nichts dagegen kurz aufs Klo zu gehen (bitte mit Begleitung) denn eigentlich ist das auf dem Klo hocken eine super Geburtsposition. Aber vielleicht dann doch lieber den Gebärhocker nutzten, da kann man nämlich das Baby besser auffangen. 

Viele Frauen finden übrigens die Austreibungsphase angenehmer, weil sie jetzt gefühlt wirklich aktiv mithelfen können. Nach und nach wird jetzt hier das Köpfchen des Babys tiefer kommen und irgendwann auch sichtbar und vor allem tastbar sein. Da kannst du als Mama ruhig mal Hinfühlen und wortwörtlich begreifen, dass hier gleich dein Kind auf die Welt kommt.
Die Wehen sind hier gern in einem Abstand von 1-3 Minuten, relativ lang und kräftig und mit einer dieser nächsten Wehen wird dann dein Kind geboren. Kopf und Körper kommen manchmal direkt mit einem Schwung Fruchtwasser auf die Welt, manchmal wird auch erst der Kopf geboren, dann ist nochmal kurz Pause und der restliche Körper des Babys kommt dann mit der nächsten Wehe. Dein Baby hilft übrigens in Schädellage auch mit und drückt sich mit den Füßen ab und streckt sich aktiv auf die Welt.
Und dann hast du dein Kind geboren!

Je nach Position kannst du es dann selbst auf den Arm nehmen oder die Hebamme reicht es dir. Lass dir ruhig helfen dein Oberteil auszuziehen damit ihr schön Haut-auf-Haut kuscheln könnt und mehr braucht ihr jetzt für die ersten Minuten auch erstmal nicht zu machen.

 

Die Nachgeburt – Plazentaphase
Nach der Geburt des Kindes hast du vermutlich erstmal einige Minuten zum kuscheln und ganz in Ruhe.
In der Regel kommt die Nachgeburt, die Plazenta und die Eihäute in den ersten 30 Minuten nach der Geburt auf die Welt. Dafür zieht sich deine Gebärmutter auch jetzt weiterhin kraftvoll zusammen damit sich der Mutterkuchen innen lösen kann und. Über die Nachwehen wird dieser dann geboren.
Das ist alles weich und gar kein Vergleich zum Kind, keine Sorge. Aber es ist sehr wichtig, dass hier alles vollständig geboren wird und ebenso wichtig, dass die Gebärmutter sich gut über Nachwehen zusammenzieht und es somit nicht zu einer übermäßigen Blutung kommt. 

Und damit hast du es geschafft! 

Wir Hebammen gratulieren übrigens immer erst wenn Kind und die vollständige Nachgeburt geboren sind, nicht wundern.

Evi

Evi Bodman arbeitet im Bereich Frankfurt am Main selbständig als Hebamme und Yogalehrerin.

Leave your thought

Folge JoyfulMama auf Instagram!

JoyfulMama auf YouTube

Produkte

Login

Lost your password?