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Babyheilbad

Evi Dezember 4, 2019 0 comments 2

Emotionale Narben von Mutter und Kind lösen

Nicht immer verlaufen Geburt und die erste Zeit danach komplett reibungslos oder so, wie man es sich erhofft oder vorgestellt hatte. Viele Mütter und Kinder werden leider in dieser ersten Bindungsphase gestört oder sogar voneinander getrennt.
Die Wochenbettzeit birgt ihre eigenen Herausforderungen und wenn der Alltag sich langsam wieder einstellt, fallen manchmal noch Sprüche wie: “Na, Hauptsache ihr seid gesund” oder “Es ist ja am Ende alles gut gegangen”. Emotionen werden nicht verarbeitet, sondern in den Hintergrund geschoben.⁠
Und genau hier setzt das Babyheilbad oder auch Bonding-Bad nach Brigitte Meissner an. Es geht darum “emotionale Narben” bei Mutter und Kind zu heilen.⁠
Mit dem Babyheilbad wird ein Raum geschaffen, in dem bewusst die erste Bindungsphase nach der Geburt nachgeahmt wird. Das Kind wird aus dem Bad nass und nackt auf den nackten Oberkörper der Mutter gelegt und ab hier dürfen Mutter und Kind entscheiden, was passiert. Oft wird geweint, manche Kinder suchen direkt den Kontakt zur Brust und wollen trinken. Manchmal ist es einfach nur ein zauberhafter und liebevoller Moment der Nähe. Und auch ganz ohne Worte oder Erklärungen können sich Herz und Seele hier öffnen und Heilung kann beginnen. 

Für wen ist das Babyheilbad sinnvoll?

Das Babyheilbad ist geeignet, wenn in irgendeiner Form die erste Bindung zwischen Mutter und Kind entweder gestört oder sogar komplett unterbrochen wurde. Wenn ein ausgiebiges erstes Kuscheln Haut auf Haut nicht möglich war.
Dies kann zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt der Fall sein. Die Kinder werden in der Regel aufgrund der kühlen Temperatur warm in Handtücher eingewickelt und können so nicht direkt mit der Mutter Haut auf Haut kuscheln. Zudem kommt es in vielen Fällen zu einer zeitweisen Trennung, denn die Mutter muss noch genäht werden während beim Kind oft die U1 durchgeführt wird. Dabei wird das Kind nicht selten angezogen und viele Mütter sehen ihr Kind dann erst einige Tage später zu Hause mal so richtig nackt. Gerade auch durch die körperliche Einschränkung nach einem Kaiserschnitt fühlen sich viele Frauen in den ersten Tagen nicht sicher genug, um hier die Kuschelphase mit dem Kind ausgiebig nachzuholen. Das darf man dann gerne einige Zeit später mit dem Babyheilbad nachholen.
Selbst ohne eine direkt Trennung kann eine schwierige Nachgeburtsphase auch nach einer spontanen Geburt die erste Bindungsphase stören. Es sind eventuell viele Menschen im Raum, die Mutter hat vielleicht beim Nähen Schmerzen und kann sich daher gar nicht auf ihr Kind konzentrieren. Auch hier kann ein Bondingbad ein schönes Ritual bilden, um die eigentlich gute Geburt auch friedlich abzuschließen und dem Wunsch nach Nähe und Ruhe für Mutter und Kind eine Form zu geben.
Für ganz besondern wichtig halte ich das Babyheilbad bei Kindern, die zu früh auf die Welt gekommen sind und wirklich über einen längeren Zeitraum von ihrer Mutter getrennt waren. Womöglich war auch der Körperkontakt insgesamt sehr eingeschränkt war, Stillen ist oft schwierig und Herz und Seele haben mit der Gesamtsituation oft ganz schön zu kämpfen. Schon im Krankenhaus kann man mit dem Personal sprechen, ob das Babyheilbad eine Möglichkeit wären, wenn das Kind stabil genug ist. Ansonsten dies auf jeden Fall oder ergänzend zu Hause nachholen, selbst wenn die Geburt dann bereits einige Wochen oder Monate zurückliegt.
Des weiteren kann das Babyheilbad hilfreich sein, wenn das Kind ingesamt sehr unruhig ist, alleine nicht gut schlafen kann oder es Stillprobleme gibt. Selbst wenn während und nach der Geburt aus unser Perspektive alles gut lief – es kann durchaus sein, dass ein Kind dies ganz anders erlebt hat oder einfach andere Bedürfnisse mit auf diese Welt bringt. Mit einem Babyheilbad darf das Kind nochmal ganz anders Kontakt zur Mutter aufbauen und damit kann damit auch häufig besser in die eigene Sicherheit und Ruhe finden.

Ablauf des Babyheilbades

Für das Babyheilbad ist es wichtig eine ruhige uns sichere Atmosphäre zu schaffen. Das Schlafzimmer ist ein super Ort, ansonsten vielleicht bei der Couch im Wohnzimmer. Es sollte ein Ort gewählt werden, in dem Mutter und Kind nach dem Bad ungestört kuscheln können.
Gerne darf im Raum das Licht etwas gedimmt sein oder vielleicht sogar Kerzen angemacht werden. Sanfte Musik im Hintergrund kann die angenehme Atmosphäre unterstützen, ist aber nicht unbedingt notwendig.
Man wählt eine Zeit am Tag, in der das Kind weder zu müde noch zu hungrig ist und vor allem im Anschluss Zeit und Ruhe besteht. Der Papa oder eine andere vertraute Person kann hier natürlich ebenfalls gerne dabei sein und begleiten aber primär geht es um die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Die Wanne oder der Badeeimer wird ganz normal mit passend temperiertem Wasser gefüllt (ewa 37° C) und wenn möglich, in der Nähe vom Bett plaziert. So kann die Mutter während des Bades im Bett liegen und trotzdem Blickkontakt mit dem Kind halten.
Ergänzend kann man dem Badewasser hinzufügen:
Dann badet in der Regel die Hebamme das Baby. Natürlich kann dies auch der Papa oder eine andere Person übernehmen. Wichtig ist hier Vertrauen und Ruhe für das Kind. Gerade bei nervösen oder sensiblen Kindern kann man diese zuerst in ein Moltontuch legen und zusammen mit diesem Baden, um entsprechend Begrenzung zu schaffen. Das Kind fühlt sich dadurch gehaltener und sicherer und kann sich besser entspannen (beim Badeeimer ist dies nicht notwendig).
Gerne darf das Baby in der Wanne auch mit den Ohren unter Wasser sein. Dadurch ist der Klang nochmal ganz ähnlich wie im Bauch und oft schauen die Kinder in dem Moment ganz wach und neugierig. 
Solange das Baby ruhig und entspannt im Wasser ist, kann man einfach abwarten. Manchmal möchte die Mama dem Kind etwas sagen, oft ist es einfach so eine ganz besondere, ruhige Phase, die gar keine Worte benötigt. 
Irgendwann beginnen die meisten Kinder im Wasser unruhiger zu werden. Sie strampeln deutlich mehr mit den Beinen, stoßen sich teilweise richtig ab, drehen sich gleichzeitig manchmal mit dem Oberkörper und oder Köpfchen. Also genau das, was ein Baby bei der Geburt auch macht. Diesen Bewegungsimpuls nutzt man dann und gibt das Kind in Ruhe zu der Mutter auf den Oberkörper. Und zwar direkt nass und nackig, Haut auf Haut mit der Mama.
Dann gerne ein vorgewärmtes Handtuch und eine Decke über Mutter und Kind legen und der Rest darf ganz von alleine geschehen.

Die besondere Phase nach dem Babyheilbad

Was in den Momenten direkt nach dem Babyheilbad passiert, kann man vorher nie abschätzen und hier sollte man auch im Vorfeld keine Erwartungen haben, sondern dies einfach auf sich zukommen lassen. 
Ein offener Raum, frei von Zeitdruck und Erwartungen in dem Mama und Kind einfach sein dürfen.
Worte, Stille, Tränen, Freude alles kann und nichts muss.
Ein Gespräch über das Bad kann ja sehr gerne auch später stattfinden. Vor allem wenn Frau hier keine betreuende Hebamme hat, kann es hilfreich sein die Worte und Gedanken aufzuschreiben. Ob diese dann aufbewahrt werden oder man sie bewusst verbrennt, um hier wirklich einen Abschluss und gleichzeitig Neuanfang zu starten – das ist eine ganz individuelle Entscheidung. 
Viele Frauen merken erst durch das Babyheilbad, dass sie für die Geburt und ihre Rolle als Mutter hohe Erwartungen an sich selbst hatten. Es fallen Sätze wie “es tut mir leid, dass ich direkt nach der Geburt nicht für dich da war.”, “ich hatte mir das ganz anders vorgestellt”. Genau diese schwierigen Gefühle zuzulassen, auszusprechen und anzunehmen ist enorm wichtig, damit sie sich lösen können. Kinder können ihre Emotionen nicht so formulieren wie wir Erwachsenen aber auch sie erleben und spüren und nehmen vor allem auch die Emotionen der Mutter ganz sensibel wahr. 
Das Baby-Heilbad kann natürlich auch gerne mehrfach wiederholt werden. Ein paar Tage Abstand dazwischen sind immer eine gute Idee, damit sowohl Mutter als auch Kind Zeit haben, ihre Emotionen zu spüren und wieder zur Ruhe zu finden. Hier darf man sich ganz auf die eigene Intuition verlassen und dem Herzen folgen. Denn genau darum es beim Babyheilbad und beim Auflösen emotioneller Narben – mehr Spüren und weniger Denken.

 


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* Diese Links sind Affiliate Links. Alle Produkte sind von mir getestet und somit eine ehrliche Weiterempfehlung.

Evi Bodman arbeitet im Bereich Frankfurt am Main selbständig als Hebamme und Yogalehrerin.

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