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Bauchweh und Blähungen bei Neugeborenen

Evi Januar 9, 2021 0 comments 0

Bauchweh und Blähungen sind ein super großes Thema vor allem in den ersten Lebenswochen von einem Kind. Die meisten Babys haben mit diesem Thema zu tun; entweder einfach mit viel Luft im Bauch, mit wirklich unangenehmen, Blähungen oder sie quälen sich einfach mit der Verdauung an sich. Als Eltern fühlt man sich hier schnell unglaublich hilfslos. Man sieht, dass das Kind leidet und kann leider gar nicht so viel machen. Dieser Blogbeitrag soll zum einen etwas Verständnis für die Prozesse schaffen und zum anderen natürlich auch ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie ihr eurem Baby helfen könnt.


Hör dir alle Infos zum Thema in der Podcastfolge #035 – Bauchweh und Blähungen beim Baby an


Was hat es nun mit dem Bauchweh bei Babys auf sich?!
Bauchweh, Blähungen und die damit einhergehende Unruhe oder Unzufriedenheit sind ein recht häufiges Problem vor allem in den ersten drei Lebensmonaten bei Babys. Hier kommen oft mehrere Faktoren zusammen: Kinder kommen  quasi mit einem sterilen Magen-Darm-Trakt auf die Welt. Direkt nach der Geburt scheiden sie sehr zäh und dunkel das sogenannte “Kindspech” oder “Mekonium” aus. Wenn sie nun Nahrung aufnehmen, verändert sich der Stuhlgang für ein paar Tage in den sogenannten “Übergangsstuhl”. Etwas weicher, etwas heller, manchmal grünlich und in der Regel eher bräunlich entwickelt sich langsam in den nächsten Tagen der sogenannte “Muttermilchstuhl”, der gelblich und relativ flüssig ist.
Mit jeder Mahlzeit bilden sich mehr und mehr Darmbakterien, welche für die Verdauung wichtig sind. Dieser Aufbau und das optimale Zusammenspiel verschiedener Darmbakterien ist ein Prozess und relativ komplex – da kommt es am Anfang immer mal zu kleinen oder halt auch größeren Problemen. 

Das Problem mit den Darmbakterien
Du kannst dir das in etwa so vorstellen: Deine Darmbakterien sind genau auf die Nahrung eingestellt und spezialisiert, die du normalerweise isst. Wenn du jetzt etwas komplett anderes isst, kann es sein, dass deine Verdauung danach etwas überfordert ist. Vielleicht hast du Blähungen oder spürst einfach deine Verdauung. Du hast Lebensmittel zu dir genommen, auf die deine Darmbakterien nicht spezialisiert sind und das macht die Verdauung etwas spürbarer und anstrengender.
Bei Babys ist es jetzt so, dass dieser Einstellungs- und Aufbauprozess der Darmbakterien ja noch ganz am Anfang ist. Bis sich hier alles gut eingespielt hat, können gut 8-12 Wochen vergehen.


Das Nervensystem
Ein anderere ganz wichtiger Punkt, wenn wir über Verdauung bei Neugeborenen sprechen ist: das Nervensystem.
Denn auch hier müssen erstmal ganz viele Lernprozesse stattfinden, bevor quasi im Hintergrund (im Unterbewusstsein) sortiert werden kann, welche Meldungen des Körpers wichtig sind und welche nicht.
Wenn dein Kind auf die Welt kommt, hat es zum ersten mal in seinem Leben Hunger. Im Bauch schlucken die Kleinen zwar Fruchtwasser um den Darm vorzubereiten, aber wir können hier nicht von richtiger Verdauung sprechen. Der gesamte Ablauf von Hunger, Essen, voller Magen, Verdauen und Ausscheiden ist neu für dein Baby. Wenn das Kind jetzt zum ersten mal das Signal “Hunger” vom Körper bekommt, wird es darauf reflexartig reagieren. Je nach Typ zaghafter oder lauter, manche mit mehr und andere mit deutlich weniger Geduld. In jedem Fall signalisiert das Baby: “Bei mir ist hier etwas falsch – ich brauche Hilfe!” In der Regel verstehen Mama oder Papa das Problem, das Kind wird gestillt oder erhält die Flasche und alles ist wieder in Ordnung.
Als nächster Prozess kommt die Verdauung. Vielleicht fühlt sich der Bauch unangenehm voll an oder die Verdauung im Darm ist merkwürdig, oder es sitzt ein Pups quer oder oder oder. All diese normalen Prozesse werden vom kindlichen Körper und Nervensystem erstmal als “Das kenne ich nicht, also ist das wohl nicht in Ordnung” wahrgenommen und entsprechend an die Bezugspersonen gemeldet. Mama oder Papa nehmen das Kind nun vielleicht auf den Arm, es wird beruhigt und erhält das Signal: “Du kannst dich beruhigen, es ist alles in Ordnung!” Und so lernt das Kind nach und nach, dass gewisse Prozesse da sind, aber einfach im Hintergrund ablaufen können. Dieser Lernprozess des Nervensystems ist für die gesamte Verdauung enorm wichtig – kann aber mehrere Wochen dauern. Sowohl die Nahrungsaufnahme als auch Verdauung und Ausscheidung sind in den ersten 8-12 Wochen nach der Geburt ein Entstehungs- und Lernprozess. Dies kann daher einfach eine turbulente Phase sein, der man als Eltern am besten mit Verständnis, Empathie und Geduld begegnet. 


Was du als Eltern tun kannst


Ernährung der stillenden Mutter 
Studien belegen ziemlich eindeutig, dass die Ernährung der Mutter nur einen geringen Einfluss auf Blähungen und Bauchweh beim Baby hat und die Probleme zudem sehr individuell sind. Daher kann man nicht kategorisch einzelne Lebensmittel ausschließen, sondern muss ausprobieren. Lebensmittel, die du selbst als Mutter nicht gut verträgst, solltest du in der Stillzeit nach Möglichkeit meiden. Ansonsten gilt: beobachten und ausprobieren. Auf besonders scharfe und stark gewürzte Lebensmittel anfangs ruhig verzichten.


Lagerung des Babys 
Die Art und Weise wie dein Kind liegt, haben durchaus einen Effekt auf den allgemeinen Muskeltonus, Stress und damit auch die Verdauung deines Kindes. Die momentan empfohlene Rückenlage ist für dein Kind – vor allem in den ersten Lebenswochen – deutlich entspannter, wenn die Beine etwas unterlagert werden. So können sich Bauchmuskulatur und der Hüftbeuger entspannen.
Direkt nach einer Mahlzeit solltest du dein Kind für eine Weile mit etwas erhöhtem Oberkörper lagern. Das klassische Bäuerchen lässt bei gestillten Kindern manchmal auf sich warten. Dennoch ist ein Postion, die den Druck auf den vollen Magen minimiert nach der Mahlzeit angenehmer für das Kind.

Tragen im Tragetuch 
Die sogenannte “Anhock-Spreiz-Haltung”, die Kinder im Tragetuch oder einer gut angepassten Tragehilfe einnehmen kann, ist fantastisch für die Verdauung. Zudem beruhigt der Körperkontakt und die Körperwärme das Kind. Das gesamte Nervensystem kommt mehr zur Ruhe und das wirkt sich wiederum positiv auf die Verdauung aus.


Wärme
Ein Kirschkernkissen am Bauch oder auch eine Babywärmflasche können gut helfen. Bei Wärmflaschen immer darauf achten kein kochendes Wasser zu nutzen und das natürlich kein Wasser ausläuft. Ansonsten kann Wärme am Bauch oder auch an den Füßen super gut helfen. Auch Fußmassage mit einem passenden ätherischen Öl, kann hier sehr gut helfen.

Osteopathie
Schon durch die Geburt können Kinder mit Blockaden oder Verspannungen zu kämpfen haben, die sich oft mit wenigen sanften Handgriffen lösen lassen. Dies kann sich tatsächlich direkt auf die Verdauung auswirken oder indirekt einfach eine erhöhte Spannung oder auch Unzufriedenheit beim Kind auslösen. Hier kann ein einziger Besuche manchmal soviel Ruhe und Entspannung für das Kind bringen – aus meiner Perspektive immer einen Versuch wert.

Schnuller saugen lassen
Tatsächlich ist das Saugen als Bewegung an sich ein Regulationsmechanismus für dein Baby. Somit ist natürlich auch das Trinken an der Brust für das Kind im Grunde hilfreich. Oft ist es auch so, dass die Verdauung angeregt wird, wenn das Kind wieder trinkt. Bei oder direkt nach der Mahlzeit kann das Baby wieder ausscheiden und somit können natürlich auch unangenehme Blähungen etwas verringert werden. ABER: man muss hier auch beachten, dass manche Kinder dann zum Dauernuckeln übergehen und das kann zum einen sehr anstrengend für die Mama und natürlich auch die Brustwarzen sein. Das geht also nicht immer als Strategie und hier kann der Schnuller eine wirklich gute Hilfe sein. Die Saugbewegung beruhigt das Kind. In Situationen von wunden Brustwarzen oder auch wenn die Mama zum Beispiel viel Milch hat und der Bauch vom Kind einfach mal eine Verdauungspause braucht, kann ein Schnuller super hilfreich sein.

Zeiten und Abläufe dokumentieren 
Über einen gewissen Zeitraum die Tagesabläufe des Kindes zu dokumentieren kann viel Klarheit schaffen. Dazu gehören: Mahlzeiten, Schlaf- und Wachpachen, Unternehmungen, Besuche, Verdauung und natürlich auch Weinen oder Unruhe. Gut dokumentiert lassen sich manchmal zusammenhänge erkennen.
Ich halte Stillen nach Bedarf für überaus sinnvoll. Gleichzeitig ist ein gewissen Rhythmus im Alltag für manche Kinder sehr hilfreich. 

Babymassage / Bauchmassage
Babymassage kann sich insgesamt beruhigend auf dein Kind auswirken, da die liebevolle Berührung den Grundtons im Körper senkt und das Kind allgemein entspannt. Die sanfte, achtsame Berührung am ganzen Körper schüttet unter anderem das Hormon Oxytocin aus, welches sich positiv auf die Stimmung des Kindes auswirkt.
Man kann natürlich auch den Bauch des Kindes gezielt massieren. Dies unterstützt die Verdauung und kann sich durchaus positiv auswirken. Ganz wichtig dabei: Keine Bauchmassage, wenn dein Kind bereits einen deutlich aufgeblähten Bauch hat. Das kann sehr unangenehm sein! Sanfte Beinbewegungen und Gegendruck an den Füßen oder Getragen werden im Fliegergriff mögen die Kinder in der Regel sehr gerne.


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Medikamente
Was dir immer klar sein sollte, wenn du dein Kind mit Medikamenten unterstützt, dass du damit natürlich auch in den Prozess vom Aufbau der Darmflora eingreifst. Solche Mittel können kurzfristig sehr wohl Linderung schaffen und haben damit ihre Berechtigung, sie können den ganzen Prozess aber auch verlängern. Eine ausführliche Beratung beim Kinderarzt über die Möglichkeiten von Medikamenten sowie Vor- und Nachteil ist hier immer sinnvoller, als einfach alles auszuprobieren.
Kümmelzäpfchen speziell für Neugeborene sind eine gute Möglichkeit, deinem Kind bei Bauchweh und Blähungen zu unterstützen. Bitte immer die Packungsbeilage lesen und beachten. Das Zäpfchen wirkt entkrampfend auf den Enddarm und in der Regel führen die Kinder relativ schnell nach der Gabe ab. Dadurch ist wieder mehr Raum im Darm, unangenehme Luft kommt evtl. auch gleich mit raus und die Kinder sind oft sichtlich erleichtert. So kann man sein Kind gut unterstützen, aber wirklich nur wenn es unbedingt notwendig ist – denn der Körper soll diesen Prozess ja selbst erlernen.

Sonderfall: Milcheiweisallergie
Laktose-Intoleranz ist mittlerweile nicht nur den meisten Menschen ein Begriff, sondern auch als Problematik weit verbreitet.
Was deutlich seltener vorkommt ist eine sogenannte “Milch-Eiweiß-Allergie”. Hier geht es nicht nur um eine Unverträglichkeit, sondern der Körper hat eine allergische Reaktion auf das Milch-Eiweiß. Dies kann in ganz seltenen Fällen auch bereits bei Neugeborenen auftreten.
Manchmal reicht es, wenn die stillende Frau sich milch-frei ernährt und somit keine Kuhmilch-Eiweiße mehr über die Muttermilch zum Kind gelangen. Wenn sich dadurch allerdings nach 2-4 Wochen keine Verbesserung einstellt, braucht das Kind eventuell wirklich eine Spezialnahrung. Vereinfacht gesagt ist das Kind also in diesem extrem seltenen Fall auf die Muttermilch allergisch und kann sie entsprechend nur sehr schlecht verdauen und verwerten. Diese Kinder nehmen extrem schlecht zu, haben häufig Hautausschläge und oft massive Verdauungsprobleme. Wie man hier am besten vorgeht, muss natürlich mit dem Kinderarzt abgeklärt werden

Zusammenfassend kann man sagen, dass Bauchweh und Blähungen in einem gewissen Rahmen in den ersten Lebenswochen des Kindes einfach dazugehören. Wie dieser Blogbeitrag dir hoffentlich aufzeigt, gibt es vieles, was du als Eltern tun kannst, um dein Kind zu unterstützen.
Achte auch immer gut auf dich. Ausreichend Pausen, Hilfe annehmen und Schlafen – denn ein Kind, dass sich mit Bauchweh quält, kann ganz schön fordernd sein. Es braucht ruhige und möglichst ausgeruhte Bezugspersonen. Daher scheu dich nicht, auch über einen längeren Zeitraum um Hilfe und Unterstützung zu bitten, um gut für dein Kind da sein zu können.

Evi Bodman arbeitet im Bereich Frankfurt am Main selbständig als Hebamme und Yogalehrerin.

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