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Beikostbeginn

Evi Oktober 15, 2018 0 comments 0

Wann ist dein Baby bereit für Brei und Fingerfood?!

In Frankfurt gebe ich regelmäßig Workshops zum Thema Beikost und vor allem die Frage: „Wann ist mein Baby bereit für Beikost?“ tritt ausnahmslos in jedem Kurs auf.
Die Antworten sowohl in der Literatur als auch die Empfehlungen von Familie, Freunden oder Kinderärzten können sehr unterschiedlich bis widersprüchlich ausfallen, daher habe ich für die die Hauptpunkte hier zusammengefasst.
Vorweg sei gesagt: wenn ihr jetzt auf eine genaue Altersangabe hofft, werd ich euch vermutlich enttäuschen müssen. Jedes Kind ist individuell und so ist auch der „richtige“ Zeitpunkt für den Beikostbeginn bei jedem Kind etwas unterschiedlich.

Zudem verwende ich hier bewusst das Wort „Beikost“ und meine damit sowohl das Einführen von „fester“ Nahrung in Form von Brei aber auch in Form von Fingerfood, wenn man das Kind zum Beispiel im Prinzip von „Baby-Led-Weaning“ an die Nahrung heranführen möchte. Hier geht es nicht um die Methode an sich, sondern ausschließlich um das AB WANN und WIE man es erkennen kann.

Früher oder später zeigt jedes Kind gewisse Reifezeichen und signalisiert damit, dass es für Nahrung – abgesehen von Muttermilch oder aus der Flasche – bereit ist. Dies kann mit vier Monaten bereits der Fall sein vielleicht aber auch erst nach sieben Monaten. Hier ist es wichtig deinem Kind zu vertrauen und sein Entwicklungstempo zu respektieren. Und sicherlich genauso wichtig: Vertraue auch deinem eignen Urteil als Mama oder Papa. Ihr beobachtet euer Kind am meisten und kennt es somit am besten. Hört euch gerne Meinungen und Empfehlungen an – vertraut aber auf euer eigenes Wissen und euer Kind. Letztendlich habt ihr alle mehr Freude an der Beikosteinführung, wenn der richtige Moment abgepasst wird.

Unsichere Signale

Es gibt ein paar unsichere Signale, die manchmal fehlinterpretiert werden: 

  1. VIEL SABBERN

Wenn Kinder in die sogenannte „Orale Phase kommen“ wird so ziemlich alles mit dem Mund erkundet. Kinder verstehen auch noch nicht warum sie den Mund geschlossen halten sollten – sie erkunden lieber alles und sabbern was das Zeug hält. Babys beginnen in der Phase auch erste Laute zu machen, die Zähne schießen im Kiefer ein oder kommen sogar schon durch. Sabbern an sich ist also noch kein festes Anzeichen, dass dein Kind jetzt sofort Beikost benötigt.

  1. NÄCHTLICHES AUFWACHEN

Manchmal wird nächtliches Aufwachen als Notwendigkeit für mehr Nahrungsaufnahme angesehen. Hier bitte im Kopf haben: Muttermilch ist deutlich gehaltvoller als Möhrenbrei, sollte es also wirklich Hunger sein, ist Beikost nicht unbedingt die beste Lösung. Genauso gut kann häufiges Aufwachen aber auch von einem wachen Kind herrühren, dass viel verarbeitet und träumt und nachts dadurch einfach wach wird. 

  1. LANGSAME GEWICHTSZUNAHME

Der Hinweis kommt gerne mal vom Kinderarzt: das Kind hat evlt. nicht ganz so viel zugenommen, wirkt schlanker und daher sollte man schleunigst mit Beikost beginnen. Gleiches gilt wie eben schon erwähnt: wenn das Kind wirklich mehr Kalorien braucht, gibt es einfacherer Wege als den Beikostbeginn um hier zu arbeiten. Gleichzeit sollte man aber auch ehrlich das Kind beobachten: ist es vielleicht einfach sehr aufgeweckt, bewegt sich viel, arbeitet viel im Kopf und verbraucht dadurch einfach viel Kalorien.
Wenn es wirklich eine kritische Gewichtsentwicklung gibt, sollte natürlich eingegriffen werden. Sollte dich diese Situation also betreffen, den Kinderarzt nochmal genauer befragen, wie kritisch es jetzt wirklich mit dem Gewicht ist und wie der genau Plan aussieht. 

  1. DAS BABY BEOBACHTET

Ja, Babys beobachten den ganzen Tag. Auch beim Zähne putzen, beim Auto fahren, beim Sprechen und Wäsche aufhängen. Kinder lernen über Nachahmung und Beobachten daher unglaublich viel. Das ist super und ein guter Anhaltspunkt aber auch eher ein unsicheres Zeichen. 

  1. LIPPENSCHMATZEN

Mit dem Lippenschmatzen und auch teilweise lustigen Geräuschen trainieren die Kinder ihre Muskulatur. Dies bereitet sie aufs Sprechen und natürlich auch aufs Essen vor – ist aber ein Prozess. Also wenn dein Kind mit Lippenschmatzen beginnt, ist es auf einem guten Weg, aber es ist noch nicht dringend mit der Beikost.

  1. DAS BABY SCHLÄFT NACH DEM STILLEN NICHT MEHR EIN

Ja, das waren noch Zeiten. Man hat gestillt, das Kind ist selig dabei eingeschlafen und man hatte danach mal ein bisschen Pause. Das ist jetzt vermutlich eher vorbei. Die Kleinen sind insgesamt wacher und aufmerksamer, schlafen insgesamt weniger und daher auch nicht mehr nach jeder Mahlzeit ein. Das alleine ist kein Reifezeichen für Beikost.

  1. GROSSES ODER SCHWERES BABY

Manchmal wird irrtümlich davon ausgegangen, dass ein besonders großes und schweres Baby automatisch früher bereit ist für die Beikost „weil es ja schon so groß ist“. Größe und Gewicht allein sagen nichts über die Reife aus. Also beobachte hier dein Baby wie es sich verhält, was es dir signalisiert und lass dich nicht verunsichern, nur weil es groß ist. Und vor allem Sprüche wie: „So ein großes Kind kannst du doch gar nicht mehr mit der Brust satt bekommen, da muss man jetzt mal zufüttern.“
So ein Quatsch! Durch deine Brust ist das Kind überhaupt so groß und proper geworden! Vertrau auf deinen Körper. Der richtet sich nach dem Bedarf deines Kindes und solange DU mit Essen und Trinken hinterherkommst, ist alles gut. 

 

Richtige Beikost-Reifezeichen

So, dann schauen wir uns mal die Signale an, die dein Kind auf jeden Fall mitbringen und zeigen sollte, wenn ihr mit Beikost beginnen wollt:

  1. Aufrechtes Sitzen und Kopfkontrolle
  2. Greifen und Hand-zu-Mund-führen
  3. Kaubewegungen 
  4. der sogenannte Zungenstreckreflex ist abgeschwächt oder verloren
  5. Interesse und Nachahmen von Essverhalten

 

Schauen wir uns die einzelnen Punkte nochmal etwas genauer an: 

1. Aufrechtes Sitzen und Kopfkontrolle.
Das mit dem „alleine Sitzen“ wird oft falsch verstanden. Bis Kinder wirklich alleine frei im Raum Sitzen können, wird noch eine Weile vergehen. Das passiert oft erst im Zusammenhang mit dem Krabbeln. Für Beikost ist notwendig, dass dein Baby mit möglichst wenig Unterstützung zum Beispiel auf deinem Schoß sitzen kann und dabei aufrecht bleibt. Neugeborene sacken einfach in sich zusammen, weil sie noch gar nicht die Stützmuskulatur haben, um sich komplett aufrecht zu halten.
Kopfkontrolle zeigt sich zum Beispiel, wenn du in Rückenlage von deinem Kind die Hände greifst und versuchst es ganz sanft hochzuziehen. Hält es jetzt den Kopf und nimmt ihn aktiv mit, oder sinkt dieser einfach nur schwer nach hinten? Kann dein Kind also stabil auf deinem Schoß sitzen und hält den Kopf im Sitzen alleine, dann könnt ihr hinter diesen Punkt einen Haken machen. Super.

2. Greifen und Hand-zu-Mund-Koordination

Zum Greifen sei gesagt, es handelt sich hierbei um das Greifen mit der gesamten Hand. Der Pinzettengriff, wo das Kind mit Daumen und Zeigefinger auch kleine Dinge Greifen kann, kommt erst später. Dein Kind greift mit der Handinnenfläche, die einzelnen Finger haben hier noch keine wirkliche Funktion. Nach und nach, wird dein Kind dann auch üben, Gegenstände von einer Hand in die andere zu übergeben. Dafür müssen sie lernen, nicht nur zu greifen sondern auch die Hand wieder zu öffnen.
Für Beikostbeginn sollte dein Kind Dinge mit der Faust greifen und festhalten können und diese gezielt zum Mund führen. 

3. Kaubewegungen 

Mit Kaubewegungen übt dein Kind die Muskulatur, die es dann für Beikost, vor allem für Fingerfood benötigt. Es wird also auf den eigenen Händen rumkauen, Spielzeuge wie Greifringe im Mund wirklich mit dem Kiefer bearbeiten und sich ausführlich damit beschäftigen. Dies geht natürlich auch gerne mal mit dem Zahnen einher, passiert aber auch unabhängig davon.

4. Zungenstreckreflex

Was ein Wort. Wenn du dein Baby stillst erinnerst du dich vielleicht in der ersten Zeit, dass die Hebamme immer darauf geachtet hat, dass dein Baby beim Stillen die Zunge weit nach vorne bringt. Wenn du dem Kind einen Schnuller gegeben hast, wurde dieser erstmal mit der Zunge wieder ausgespuckt. Das alles macht der Zungenstreckreflex. Ist dieser Reflex noch sehr ausgeprägt, wird dein Baby alles was an Essen in den Mund kommt sofort mit der Zunge wieder nach vorne rausschieben. Es braucht eine gewisse Reife beim Kind, bis dieser Reflex abgeschwächt oder ganz verloren ist und überhaupt die Möglichkeit besteht, dass dein Kind Essen im Mund erkunden kann und dann natürlich auch lernt, mit der Zunge Nahrung zum Schlucken nach hinten zu transportieren. 

5. Interesse und Nachahmung

Als letzter und dennoch sehr wichtiger Punkt: Dein Baby hat Interesse und ahmt euer Essverhalten nach. Es kann zum Beispiel passieren, dass du dein Kind auf dem Arm hast, während du eine Scheibe Brot isst und auf einmal greift dein Kind danach, und möchte genau das jetzt auch erkunden. Es kann natürlich trotzdem sein, dass das erste Essen mit irritiertem bis angeekeltem Blick von deinem Kind gestraft wird, aber es ist auf jeden Fall eine gute und wichtige Grundlage, dass dein Kind von alleine Interesse am Essen und am „mit dem Essen etwas machen“ hat. Also es ist nicht mehr nur ein reines Beobachten, sondern ein aktives: ich möchte da jetzt auch mitmachen. 

Abschluss

Abschließend finde ich nochmal ganz wichtig zu betonen: Du kennst dein Kind und kannst es am besten in seinem Verhalten einschätzen. Dein Kind sollte am Anfang vor allem Freude am Entdecken von Nahrung haben.
Das dein Kind Essen frei und mit Spaß im eigenen Tempo entdecken kann, frei von Erwartungshaltungen, Druck oder Zwang ist so wichtig. Hab die Entwicklung und das individuelle Tempo von deinem eigenen Kind im Kopf und orientiere dich daran viel mehr, als an ganz allgemein empfohlenen Zeitpunkten die für alle Kinder gleichermaßen gelten sollen. Vertrau deinem Kind und vertrau dir als Mama oder Papa, dass du dein Kind richtig einschätzen kannst und ihr das in eurem Tempo und in euer Variante schon hinbekommen werdet. 

Findet euren Weg und beschreitet diesen in eurem Tempo, da können auch mal Umwege oder Pausen dabei sein, dann geht es wieder ganz schnell. Das ist alles völlig in Ordnung solange ihr vor allem Freude dabei habt.

So, das war so mein Ansatz zum Thema: Wann ist dein Baby bereit für Beikost – egal ob als Brei oder Fingerfood.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Starten und Ausprobieren.

Eure Evi

 

 


Heute keine Zeit zum Lesen?!
Über diesen Link findest du meine Podcast Folge zu diesem Thema

Evi

Evi Bodman arbeitet im Bereich Frankfurt am Main selbständig als Hebamme und Yogalehrerin.

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